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Fleisch ist Klimakiller Nr. 1



Bei uns wird deutlich mehr Fleisch und Wurst konsumiert, als aus ernährungswissenschaftlicher Sicht vertretbar ist. Dies schadet nicht nur unserer Gesundheit und unzähligen Tieren, sondern die Tierproduktion ist auch die grösste von Menschen verursachte Belastung für das Klima. Obwohl öffentlich viel über den Klimawandel und Maßnahmen dagegen diskutiert wird, bleibt gerade der Konsum von Tierprodukten wie Fleisch, Milch und Eiern meist gänzlich unberücksichtigt. Kaum jemand ahnt, dass Fleisch Klimakiller Nr. 1 ist.

Das internationale Dilemma
Am Klimagipfel in Kopenhagen werden ab 7. Dezember 2009 die Volksvertreter zahlreicher Nationen darüber beraten, auf welche Strategie gesetzt werden soll, um dem Klimawandel entgegen zu wirken. In der öffentlichen Diskussion herrschen bisher Sorgen um den Verkehr und unseren Bedarf an Heizenergie und Strom vor. Dabei beeinflussen diese Faktoren den Klimawandel deutlich weniger als unsere Ernährung.

Um nur annähernd ausreichend klimawirksame Maßnahmen setzen zu können, nicht nur im Bereich Verkehr und Energiewirtschaft aber auch in anderen Bereichen, sind große Investitionen in neue Technologien und Strukturen nötig. Experten schlagen bereits jetzt Alarm, weil die einzelnen Nationen erbarmungslos um die Aufteilung der Anpassungskosten feilschen. Keine Nation möchte mehr als andere für Klimaanpassungsmaßnahmen ausgeben, weil diese Investitionen nicht für die Förderung des Wirtschaftswachstums zu Verfügung stehen würden. Entwicklungsländer argumentieren, dass ihnen - im Gegensatz zu reichen Ländern - das nötige Geld für Anpassungsmassnahmen fehlen würde. Reiche Länder kontern, dass die grösste Klimaschädigung von Entwicklungsländern ausgehen würde, und es daher nötig wäre, dass vor allem dort die grössten Massnahmen zugesichert werden. Ausgehend von den Positionen der nationalen Konferenz-Sprecher scheint somit die ursprünglich geplante Einigung auf einen international bindenden Vertrag unerreichbar.

Selbstverständlich ist es sinnvoll, in allen Aspekten unseres Lebensstils die Auswirkungen unserer Praktiken zu berücksichtigen. Allerdings ist es höchst unvernünftig, gerade die wirkungsvollste Massnahme gegen den Klimawandel zu ignorieren: Unser Fleischkonsum macht nicht nur den Grossteil des von Menschen verursachten Treibhauseffekts aus, sondern seine Reduktion kann - im Gegensatz zu anderen Massnahmen - ganz ohne Investitionen in teure neue Technologien erfolgen.

Qualität kennzeichnen und unkluge Förderungen einsparen
Höchst effektiver Klimaschutz über die Optimierung unserer Nahrungsproduktion und Ernährungsgewohnheiten spart, im Gegensatz zu den meisten anderen deutlich weniger effektiven Klimaschutzmaßnahmen, sogar hohe Kosten ein: Wir müssen nur auf die teure, wettbewerbsverzerrende Förderung von Tierprodukten verzichten und tierfreundlichere Haltungsbedingungen verpflichtend und unmissverständlich kontrollieren und kennzeichnen. Damit können Konsumenten beim Einkauf unterschiedliche Qualitätsstandards zuverlässig erkennen. Anders ist es schliesslich selbst beim besten Willen nicht möglich, höhere Qualität zu bevorzugen. Da eine bessere Haltung auch mehr Arbeitsaufwand bedeutet, entstehen so zusätzliche Arbeitsplätze in der Landwirtschaft.

Die ohnehin in viel zu hohem Ausmass konsumierten Tierprodukte werden damit zwar teurer, aber auch besser. Damit werden Obst, Gemüse und Getreide im Preisvergleich wieder attraktiver, und uns wird damit eine gesündere Ernährung leichter gemacht. Gesündere Menschen entlasten auch unsere Krankenkassen. Weniger Kranke können mit der selben Menge an Geld wesentlich besser versorgt werden.

Auf diesem Weg können wir nicht nur den Klimawandel bremsen, unseren Staatshaushalt schonen und zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Wir können obendrein unzähligen Tieren ersparen, ohne jede Rücksicht auf ihre Bedürfnisse und Empfindungen maschinell verarbeitet zu werden.

Die Fakten
Die FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) hat im November 2006 eine Studie zu den wichtigsten Faktoren der von Menschen verursachten Treibhausemissionen veröffentlicht. Diese Studie ist die anerkannte Referenz, auf die auch alle anderen renommierten Studien seither verweisen. Bereits darin wird die Tierproduktion mit 18 Prozent noch vor dem Verkehr als grösster Emissionsfaktor genannt.

Die FAO berücksichtigt Emissionen von Treibhausgasen aus der Tierhaltung und dem Futtermittelanbau wie CO2, Methan und Lachgas. Auch Emissionen aus Brandrodungen für Weideland und Futtermittelanbau werden grossteils mitberechnet. Das Potential der durch die Fleischproduktionen verlorenen Wälder, CO2 zu binden und das Klima zu stabilisieren, findet bei der FAO hingegen keine Berücksichtigung. Allerdings werden 70 Prozent der gerodeten Regenwaldflächen für Weiden und die Produktion von Nutztierfutter eingesetzt. 30 bis 50 Prozent der weltweiten Getreideernte und 80 Prozent der Welt-Sojaernte wird an Tiere verfüttert.

Das World Watch Institute hat im November 2009 als Reaktion darauf ebenfalls eine Studie veröffentlicht, um die von der FAO nicht erfassten Faktoren zu integrieren. Wenn es nach dieser Studie geht, ist die Tierproduktion sogar für 51 Prozent des vom Menschen verursachten Klimaeffekts verantwortlich.



In einer im Februar 2009 veröffentlichen Studie, die das Problem nicht nur von der Emissionsseite her betrachtet, kommt die Netherlands Environmental Assessment Agency (PBL) zu dem Ergebnis, dass uns der Klimawandel bis zum Jahr 2050 Vierzig Billionen (40.000.000.000.000) Dollar kosten wird. Bis zu 80 Prozent dieser Kosten (also 32 Billionen Dollar) würden gar nicht erst entstehen, wenn wir unseren Konsum von Fleisch, Milch und Eiern reduzieren. Um sich unter dieser astronomischen Summe etwas vorstellen zu können: Mit diesem Geld könnten zum Beispiel mehr als 200 Millionen Einfamilienhäuser zu je 150.000 US$ gebaut werden - ein neues Haus für alle Menschen in Europa, Russland, Australien und Kanada zusammen!

Weniger Fleisch zu essen, hilft dem Klima mehr als alles andere!

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